Zillertaler Alpen

15.09.1998   Bergsteiger
  Lichtblick am Horizont?
Zillertaler Urgestein
    Nein, die alpine Bücherlandschaft ist offensichtlich doch nicht jene Wüste, für die sie viele Kritiker (meist mit Recht) halten. Zumindest nicht, wenn man den ersten Band der neuen Reihe »edition Berge« des Bergverlags Rother in den Händen hält. Ein Bergbuch, das man in dieser Art schon lange vermißt hat. Noch dazu über eine Berggruppe, die zwar zu den meistbesuchten der Zentralalpen zählt, bisher jedoch am Buchmarkt völlig unterrepräsentiert war. Bernd Ritschel und Horst Heller haben diese Lücke geschlossen. Phantastische Bilder, die ungewöhnliche Perspektiven zeigen und Emotionen vermitteln, werden in einem sauberen Layout präsentiert - einfach und schnörkellos, wie es solche Bilder eben verdienen. Die Texte sind mindestens ebenso ungewöhnlich wie die Bilder: kantig wie Zillertaler Urgestein, manchmal gar gewöhnungsbedürftig. Aber immer lesbar, mit unendlich vielen Sachinformationen und noch mehr Erlebnisschilderungen.
Originell, wenn der Autor einen Granat erzählen läßt, oder das Wasser ... aber lesen Sie selbst! jawohl, lesen Sie selbst, und schauen und staunen Sie! »Zillertaler Alpen« ist der Beweis, daß es DAS Bergbuch doch noch gibt: kein Rezeptbuch als zehnter Aufguß einer Wanderführerreihe (was 90 Prozent der Neuerscheinungen am alpinen Buchmarkt derzeit ausmacht), sondern ein Bildband mit umfangreichem Textteil, professionell fotografiert, geschrieben und layoutet. Ist »Zillertaler Alpen« eine Oase in der Wüste der alpinen Bücherlandschaft? Oder nur eine Fata Morgana? Es liegt am Verlag, die neugeschaffene Reihe »edition Berge« in gleicher Qualität fortzuführen. Und an den Autoren, die von Ritschel und Heller eine hochgesteckte Zielvorgabe erhalten haben. Hoffentlich schaffen es beide, »edition Berge« zur Oase zu machen, damit der erste Band keine Fata morgana bleibt ...

-ak-