Leserzuschriften



Liebe Leser/innen,
An dieser Stelle werden sämtliche Leserzuschriften der letzten Jahre veröffentlicht. Damit können all diejenigen, die mit einer älteren Ausgabe dieses Titels unterwegs sind, mögliche Veränderungen und Abweichungen nachvollziehen. Bei Neuauflagen werden die Hinweise aus Leserzuschriften selbstverständlich geprüft und gegebenenfalls berücksichtigt.

Gebietsführer Allgäuer Alpen
27.09.2004

Sehr geehrte Damen und Herren,

schon seit Jahren besitze ich den Gebietsführer "Allgäuer Alpen" in seiner vierten Auflage von 1988. In diesem Jahr habe ich mir noch Ihren Wanderführer "Allgäu 1" (7. Aufl. 2004) zugelegt. Autor beider Führer ist Dieter Seibert - nach der Abgabe durch Heinz Groth, der zumindest erster Verfasser des Gebietsführers war.

Ich hatte in den letzten beiden Jahren mehrfach Gelegenheit, den Gebietsführer und jetzt auch den Wanderführer für die Planung und Durchführung von Wanderungen zu Rate zu ziehen. Einige Anmerkungen und Anregungen möchte ich Ihnen nach den gemachten Erfahrungen weitergeben:

· Bisher setzen beide Führer viel zu sehr auf den Autotouristen. Immer wird der mit dem Kfz anzufahrende Ausgangspunkt genannt. Die meisten Wanderungen werden (vor allem im Wanderführer) als Rundwanderungen beschrieben. Dabei braucht das Auto nicht, wer in Oberstdorf oder im Kleinwalsertal Urlaub macht: Die hervorragenden ÖPNV- Angebote mit der Urlaubskarte und teilweise mit Taktzeiten wie bei S-Bahn oder U- Bahn in Großstädten machen das heilige Blechle überflüssig. Jedenfalls haben wir jetzt drei Mal in Oberstdorf Urlaub gemacht und jedes Mal das Auto nach der Ankunft bis zur Heimfahrt stehen lassen. Für die Planung unserer Streckenwanderungen diente uns neben Wanderkarten und Führern das Fahrplanheft. Es wäre eine wesentliche Bereicherung, wenn künftig die beiden Führer (oder ein dritter darauf spezialisierter) neben Rundwanderungen auch Streckenwander- vorschläge mit Start und Ziel an Bus- oder Bahnhaltestellen (ergänzt mit Bergbahnfahrmöglichkeiten) bringen würden.
· Randzahl 367 des Gebietsführers von 1988 beschreibt die (vordere) Hörnertour leider nur in der für Skifahrer gebotenen Richtung S>N. Ich kann nur bestätigen, dass die N>S- Überschreitung die auch von Ihnen anerkannte landschaftlich reizvollere Variante ist: so wandert man dem Gebirge entgegen! Und was die "ärgerliche Bindung an den Postbus- Fahrplan" angeht: 9:15 ab Oberstdorf fährt man mit dem Linienbus bis 9:46 nach Ofterschwang, wo man die Sesselbahn als Starthilfe hinauf zum Ofterschwanger Horn nutzen kann. 16:40 lässt man sich in Grasgehren mit dem Bus wieder abholen und hat die Hörnertour einschließlich einer ausgiebigen Rast am Berghaus Schwaben und einschließlich des Riedberghorns gut hinter sich gebracht.
· Das östliche Pendant zur Hörnertour ist der Sonnenkopf- Höhenweg. Warum wird er nicht (als "Panoramaweg" in "Allgäu 1" zitiert) von der Bergstation Hornalpe über Hindelang (die Höhenangabe dazu fehlt) bis zur Gaisalpe mit Fortsetzungsmöglichkeit entweder direkt nach Reichenbach oder über den Wallrafweg nach Oberstdorf empfohlen und beschrieben? Auch hier erlaubt die "ärgerliche Bindung an den Fahrplan" eine Streckenwanderung (beispielsweise Oberstdorf ab 8:05 oder 9:05, Hindelang an jeweils 50 min. später).
· Eine wunderbare Tagesrundtour ist für mich die Überschreitung von der Ifenhütte (nach Auffahrt von der Auenhütte mit dem Sessellift) auf den Hochifen und von dort über die Ifersgunt- Alpe - Schwarzwasserhütte - Melköde zur Auenhütte (letzter Bus 17:35 Richtung Riezlern!). Eine Beschreibung mit Zeitangaben wäre eine gute Bereicherung des Führers (der Führer).
· Leider sind inzwischen viele Alpwege asphaltiert worden. Abschreckende Beispiele sind für mich der Weg von Faistenoy zur Schlappolt- Alpe und der Weg von der Birgsau zur Buchenrain- Alpe. Das ist zwar für Radfahrer sehr schön, aber für Fußwanderer quälend. Hinweise auf solche "Qualitäten" von Wegen sind für die Planung von Touren durchaus wertvoll.
· Die Randzahlen 20 und 21 in "Allgäu 1" beschreiben Wanderungen ins Oytal und nach Gerstruben. Warum fehlt der Tour zum Hahnenkopf die Überschreitung ins Oytal, und warum wird (bei RZ 20) der Mund für die Fortsetzung über den Älpelesattel bis nach Gerstruben wässrig gemacht, ohne dass die Beschreibung mit Zeitangabe folgt? RZ. 452 im Gebietsführer bringt mit der Gesamtumrundung der Höfats und damit einer "Gewaltstour" auch nicht die Information über die im Wanderführer angedachte Wanderung; vor allem fehlen detaillierte Zeitangaben weithin. Dabei braucht man die vor allem dort, wo es nicht nur um die simple Zeitermittlung nach dem Höhenunterschied geht, sondern um die gerade im Oberstdorfer Raum oft nötige Ergänzung durch die Kilometerleistung.
· Noch nirgends habe ich in der Wanderliteratur eine Erklärung der in den Allgäuer Alpen und im Bregenzer Wald häufig vorkommenden Bezeichnung "Gund" oder "Gunt" gefunden. Mein Kartenstudium lässt mich vermuten, dass es sich um ein schwäbisches (alemannisches) Wort mit der Bedeutung "Kar" handelt: Wo es "Gund" gibt, fehlt "Kar" - in allen Fällen taucht der Name bei hochgelegenen Mulden auf. Wenn mein Erklärungsversuch richtig ist, könnte eine neue Auflage hier für Klarheit sorgen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dieter Feucht