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K2, 8611 m
Südostsporn (Abruzzi-Sporn) |
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Der K2 bildet das
Herzstück des Karakorum er ist sein höchster und
beeindruckendster Gipfel. Reinhold Messner schätzt den
K2 selbst auf den einfachsten Routen als den
schwierigsten Berg der Welt ein, und diese Ansicht wird
von zahlreichen heutigen Bergsteigern geteilt. Als
»einfachste Routen« gelten der Abruzzi-Sporn von
Pakistan und der Nordgrat von China aus.
Insbesondere der Nordgrat präsentiert sich als
bezwingend direkte Linie. Der Abruzzi-Sporn ist zwar
weniger elegant, erscheint jedoch vom Konkordiaplatz aus
als die naheliegendste Route. Der erste Versuch, den K2
zu besteigen, wurde dennoch über den wesentlich
längeren Nordostgrat unternommen. 1902 führte Oskar
Eckenstein ein Team von österreichischen, britischen und
Schweizer Bergsteigern. Sie erreichten etwa 6500m und
konnten den langen Abschnitt messerscharfer Grate und
überhängender Wächten, der schließlich in die obere
Ostwand übergeht, kaum bewältigen. Es sollten
vierundsiebzig Jahre vergehen, bevor ein Team Polnischer
Bergsteiger den Aufstieg über diese Route erneut
versuchte.
Der berühmte italienische Forschungsreisende Herzog
Luigi Amedeo di Savoia entdeckte und probierte 1909, auf
der zweiten Bergsteiger-Expedition zum K2 überhaupt, den
Südostsporn, der nun seinen Namen trägt. Es war
ebenfalls eine italienische Expedition, die 1954 die
Route ganz bis zum Gipfel beging, aber erst nachdem drei
amerikanische Expeditionen weitgehend die Grundlage
dafür geschaffen hatten.
Charles Houstons Expedition brach 1938 mit leichtem
Gepäck auf, denn er war der Meinung, daß kleine,
bewegliche Expeditionen die größten Erfolgsaussichten
hätten eine Ansicht, die durch seine Erfahrung
mit Bill Tilman bei der Erstbesteigung des Nanda Devi
zwei Jahre zuvor bestätigt worden war. Auf dem
schwierigeren Gelände des Abruzzi-Sporn kam sein
amerikanisches Team dann stetig voran, auf einer Route
mit Schneefeldern und Felsvorsprüngen, die schließlich
zur Schulter führt. Ein entscheidender Felsriegel in
etwa 6700m Höhe wurde von William House erklommen, und
bis heute flößt der House-Kamin den besten Bergsteigern
unserer Zeit Respekt ein. Oberhalb von 7000m mußten sie
die noch schwierigere schwarze Pyramide erklettern, bevor
ein exponierter Eisquergang sie auf die unteren Hänge
der Schulter brachte, wo sie in etwa 7600m Höhe Lager 7
aufschlugen. Obwohl sie erfolgreich vorangekommen waren,
blieben immer noch eine große Entfernung und
Höhendifferenz zu überwinden. Ihre Vorräte schwanden
dahin, und sie fürchteten, daß das Wetter kälter und
unbeständiger werden würde. Deshalb kehrte das gesamte
Team um, nur einige Tage bevor ein anhaltender Sturm
über den Gipfel fegte. Houston äußerte damals eine
prophetische Warnung vor den Schwierigkeiten eines
Abstiegs von der Schulter bei schlechtem Wetter. |
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Im Jahr darauf machte
sich eine andere amerikanische Expedition auf den Weg,
diesmal unter der Leitung des deutschen Emigranten Fritz
Wiessner, der 1932 bei Willy Merkls Expedition zum Nanga
Parbat dabei war. Der K2 erwies sich als traumatisch
ein weitgehend unerfahrenes Team konnte mit seinem
Expeditionsleiter nicht mithalten, der einer der besten
und ehrgeizigsten Bergsteiger seiner Zeit war. Die
Expedition endete mit einem Desaster, bedingt durch eine
Reihe von Mißverständnissen und Fehlentscheidungen, die
darin gipfelten, daß drei Sherpas bei dem Versuch
starben, Dudley Wolfe zu retten, der höhenkrank
zusammengebrochen und weit oben am Berg liegengeblieben
war. Die Schuld an den vier Todesfällen gab man Wiessner
und lenkte dadurch von seiner Leistung vor dem Desaster
ab, als er dem Erfolg schon zum Greifen nahe gekommen
war.
Von Lager 9 aus, in 8000m Höhe, führte Wiessner Pasang
Dawa Lama über sehr schwierige Felsen und wäre nachts
weiter zum Gipfel hinaufgestiegen, wenn Pasang ihn nicht
aus religiösen Gründen um 18:00Uhr gebeten hätte, auf
8400m kehrtzumachen. Unbeirrt versuchte Wiessner zwei
Tage später erneut den Aufstieg und nahm diesmal eine
einfachere Route weiter rechts, die alle darauffolgenden
Teams auch wählten, den eisigen »Flaschenhals«. Aber
weil beide Männer ihre Steigeisen verloren hatten,
mußte Wiessner den Versuch abbrechen und zurückgehen.
Dies war der Abschluß einer großartigen Leistung in
schwierigem Gelände oberhalb von 8000m, auf die auch
heute noch jeder Bergsteiger, der über modernste
Ausrüstung und Höhenerfahrung verfügt, stolz sein
könnte.
Houston kehrte 1953 mit sieben anderen Bergsteigern, aber
ohne Höhenträger, zum K2 zurück. Sie kamen
ausgezeichnet voran, und am 2.August waren alle acht
Bergsteiger in Lager 8 auf der Schulter. Doch leider
schlug das Wetter um, und die Männer waren fünf Tage
lang in ihren Zelten gefangen. Nach fünf Tagen auf fast
8000m wurde Art Gilkey krank und erlitt eine Thrombose
mit Lähmungserscheinungen. In dem heroischen Versuch,
ihn zu retten, begannen die anderen, ihn Seillänge für
Seillänge den gesamten Abruzzi-Sporn herunterzulassen.
Der Sturm hatte wieder angefangen, und der Abstieg nahm
dramatische Ausmaße an, als fünf Bergsteiger in einem
Seilgewirr stürzten und wie durch ein Wunder von Pete
Schoenings Pickelsicherung gehalten wurden. Gilkey geriet
dann in eine Lawine, und die anderen, fast erfroren,
schockiert und erschöpft, kämpften gegen den Sturm, um
Lager 2 zu erreichen. Von dort halfen ihnen ihre
Hunza-Träger beim Abstieg.
Nach drei dramatischen amerikanischen Versuchen, die nur
knapp scheiterten, hatte 1954 die italienische Expedition
von Ardito Desio, die überaus sorgfältig vorbereitet
war, Erfolg. Dank einer ungeheuren Anstrengung von Walter
Bonatti und dem Hunza-Träger Mahdi wurde Sauerstoff
über die Schulter hinauftransportiert, um Achille
Compagnoni und Lino Lacedelli bei ihrem erfolgreichen
Aufstieg zum Gipfel zu unterstützen. Erst 1977 wurde der
Gipfel wieder betreten, als eine japanische Expedition
den Abruzzi-Sporn wiederholte. 1978 wurde der Gipfel
erstmals ohne Sauerstoff bestiegen, und zwar von den
Amerikanern John Roskelley, Rick Ridgeway und Lou
Reichardt Jim Wickwire benutzte ein wenig
Sauerstoff, der ihm jedoch auf dem Gipfel ausging;
dennoch überlebte er ein anschließendes ungeschütztes
Biwak auf 8460m. Die Amerikaner beendeten ihren Aufstieg
über den Abruzzi-Sporn, nachdem sie zunächst vom
Hochplateau am Nordostgrat zur Schulter gequert waren.
Ein Jahr später wiederholten Michl Dacher und Reinhold
Messner den Abruzzi-Sporn mit nur leichtem Gepäck,
ebenfalls ohne Sauerstoff.
Trotz der Erfolge der späten siebziger Jahre behielt der
Sporn seinen verhängnisvollen Ruf. 1986 kam es zum
schlimmsten Unglück in der jüngeren Geschichte des
Bergsteigens: Ein anhaltender Sturm forderte wieder
Menschenleben. Fünf von sieben Bergsteigern, die bei
schlechtem Wetter auf der Schulter festsaßen, kamen um,
als sie verzweifelt und mit tragischer Verzögerung den
Abstieg versuchten, so daß die Gesamtzahl der Todesopfer
am K2 in jenem Sommer auf dreizehn stieg. Paradoxerweise
unternahm Benoît Chamoux im gleichen Sommer eine
Dreiundzwanzig-Stunden-Besteigung des Abruzzi-Sporns.
Auch wenn er sicherlich durch Aktivitäten anderer auf
der Route, nicht zuletzt durch ihre Spur und ihre
Fixseile, unterstützt wurde, vollbrachte er eine
einzigartige Leistung, und das nur wenige Tage nach
seinem Sechzehn-Stunden-Alleingang auf den Broad Peak.
Chamoux brauchte lediglich zwei Tage gutes Wetter, um den
K2 zu besteigen und wieder herunterzukommen gerade
an diesem Berg ist Schnelligkeit oft gleichzusetzen mit
Sicherheit. Angesichts der ungewöhnlichen Fitness
Chamoux hatte sein Aufstieg vermutlich die
größten Erfolgsaussichten, und es war sehr
unwahrscheinlich, daß er in einer Katastrophe enden
würde. |
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Seit 1986 gab es weitere
Unglücke am Abruzzi-Sporn, und die meisten Teams haben
den Gipfel nicht erreicht. Dies bestätigt Messners
Aussage »schwierigster Berg der Welt«. Die Bergsteiger
kommen jedoch weiterhin, weil der K2 ein
überwältigender Gipfel ist und der Abruzzi-Sporn
wahrscheinlich die am besten begehbare Route von der
pakistanischen Seite her darstellt. Die beliebteste
Stelle für das Basislager einer Abruzzi-Besteigung
befindet sich auf einem Streifen der Seitenmoräne
unterhalb der Südwand in der Nähe des Zusammenflusses
von Filippi- und oberem Godwin-Austen-Gletscher. In
manchen Jahren können sich hier mehr als einhundert
Zelte ansammeln; ein Bild, das mehr an Chamonix erinnert
als an den Himalaya. Von dort aus führt ein Anstieg von
etwa zwei Stunden durch einen wilden Eisbruch zum
vorgeschobenen Basislager auf etwa 5400m, direkt am Fuß
des Sporns.
Heute markiert trotz einer großen Säuberungsaktion 1990
der Abfall früherer Expeditionen den Routenverlauf, der
sich zunächst über Felsvorsprünge emporschlängelt,
rechts begrenzt von einem riesigen Schnee- und Eisfeld.
Die meisten Teams schlagen Lager 1 auf etwa 6150m und
Lager 2 auf etwa 6750m auf, direkt oberhalb des nach
links geneigten House-Kamins. Von dort gelangt man in
leichter Kletterei an einem rötlichen Grat empor zu den
schwierigeren Felsen der Schwarzen Pyramide. Houstons
Team bewältigte beinahe diesen gesamten Abschnitt ohne
Fixseile; heute gibt ein erbärmliches Gewirr aus alten
Seilen Möchtegern-Bergsteigern im Alpinstil ein
zweifelhaftes Gefühl der Sicherheit. Wie auch immer,
oberhalb der Schwarzen Pyramide enden die zweifelhaften
Seile und dort, auf den schwierigen Schnee- und
Eishängen zur Schulter, besteht für die Teams das
größte Risiko, vor allem bei einem Abstieg im
schlechten Wetter. Lager 3 liegt gewöhnlich auf 7400m
und Lager 4 auf der Schulter in 7900m Höhe.
Die Schlüsselstelle liegt auf den letzten
700Höhenmetern. Viele Teams können nur durch einen sehr
frühen Aufbruch verhindern, daß sie im Abstieg von der
Dunkelheit überrascht werden. Die Schulter steigt steil
empor zum Flaschenhals, einem Couloir, das direkt
unterhalb der Gipfelséracs emporzieht, bis man gezwungen
ist, im steilen Eis oberhalb eines 3000m hohen Abbruchs
nach links zu queren. Mehrere Personen sind hier schon zu
Schaden gekommen, als sie erschöpft vom Gipfel
abstiegen. Jenseits des Quergangs gelangt man auf
einfachere Schneehänge, aber der Weg zum Gipfel ist
immer noch lang.
Es gibt jedoch möglicherweise eine bessere Route über
den Südsporn zur Schulter. Auf seiner letzten Expedition
1983 schlug der mit allen Wassern gewaschene
Himalaya-Veteran Don Whillans diese Route vor, und einige
Tage später wurde sie von seinen Kameraden Doug Scott,
Andy Parkin und Jean Afanassieff in reinem Alpinstil
ausprobiert. Parkin hatte praktisch gerade den Fuß auf
die Schulter gesetzt, als Afanassieff plötzlich ein
Ödem bekam und das Team dadurch gezwungen war, rasch
umzukehren. Nach einigen Versuchen von verschiedenen
spanischen Gruppen war dem baskischen Team von Juanito
Oiarsabal im Jahr 1994 ein Gipfelerfolg auf dieser Route
beschieden. Leider wurde Doug Scotts mutiger
Begehungsstil von 1983 nicht kopiert, da die Basken
Fixseile auf dem Grat anbrachten.
Weitere Mannschaften folgten dem Beispiel der Basken und
nahmen 1994 erneut die Route über den Südsporn, die
besser und sicherer zu sein scheint als der traditionelle
Abruzzi-Sporn. Darüber hinaus verläuft sie direkter und
vermeidet beim Abstieg die gefährlichen Hänge zwischen
der Schulter und der Schwarzen Pyramide, auf denen bei
Sturm Lawinengefahr droht. Aber für welche Route man
sich auch entscheidet, die Schlüsselstelle liegt
oberhalb der Schulter, und dort werden auch die besten
Bergsteiger feststellen, daß sie ihr Geschick und ihr
Durchhaltevermögen bis an die Grenzen ausschöpfen
müssen. |
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| KURZINFORMATIONEN |
| Name |
K2 (Chogori) |
| Höhe |
8611 m |
| Lage |
Baltoro Muztagh,
Zentral-Karakorum, Pakistan |
| Route |
Südostsporn (Abruzzi-Sporn) |
| Erstbesteigung des Gipfels |
Am 31.August 1954 durch Lino
Lacedelli und Achille Compagnoni |
| Erstbegehung der Route |
Wie oben |
| Erstbegehung der Route im Alpinstil |
Messners Expedition von 1979 war
zwar recht klein, aber es wurden einige Lager
vorbereitet. Eric Escoffier (FRA), Jean Troillet,
Pierre Morand und Erhard Loretan (CH) bestiegen
den Gipfel 1985 von Lager 2 aus, gingen ohne
Unterbrechung zurück zu Lager 3 und kehrten
weniger als vier Tage nach ihrem Aufbruch zum
Basislager zurück. In beiden Fällen wurden die
Bergsteiger durch die Lager anderer Bergsteiger
und Seile auf der Route unterstützt. |
| Höhe des Basislagers |
5130m am Zusammenfluß des
Godwin-Austen- und des Filippi-Gletschers
Anfahrtsmöglichkeit bis Thongl, 2km vor Askole |
| Anmarsch |
8 oder 9 Tage, je nach Zustand
der »jhola« über den Fluß Panmah. Zu bezahlen
sind mindestens 12 (eventuell bis zu 16) Träger-Etappen.
Informationen über gesetzliche Bestimmungen
einholen! |
| Jahreszeit |
Die Erstbesteigung wurde Ende
August unternommen, aber die erfolgreichsten
Expeditionen gelangten im Juli zum Gipfel. |
| Genehmigung |
Ministerium für Tourismus,
Islamabad |
| Erfolgsbilanz |
Selbst auf dem Normalweg sind
die Erfolgsaussichten geringer als am Everest. In
den letzten Jahren gab es mehrere Sommer, in
denen kein einziges Team am Abruzzi-Sporn
erfolgreich war. |
| Literatur |
Die Auswahl an Büchern ist
riesig, angefangen mit Filippis Bericht über die
Expedition von 1909 bis hin zu Jim Currans neuer
Geschichte des Bergs: K2: The Story of the Savage
Mountain (Hodder & Stoughton, 1995). Currans
zuvor erschienenes Buch, K2, Triumph and Tragedy
(Hodder & Stoughton, 1987) und Kurt
Diembergers K2 Traum und Schicksal
(Bruckmann, 1989) beschreiben ausführlich die
Ereignisse von 1986.
Die Erstbesteigung ist in Ardito Desios Ascent of
K2, Second Highest Peak in the World (Elek, 1955)
dokumentiert; auch Bonattis Version in On the
Heights (Hart-Davis, 1964; Diadem, 1979) ist
lesenswert. Ein Muß sind auch Charles Houstons
und Robert Bates K2: The Savage Mountain
(Collins, 1955) und die Studie über die
Wiessner-Expedition von Andrew Kauffman und
William Putnam, K2: The 1939 Tragedy
(Mountaineers/Diadem, 1992). |
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