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Stationen eines Verlages |
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I. Große Namen
Gleich einem Motto steht Oskar Erich Meyers 1920
erschienenes Buch »Tat und Traum« am Anfang der
Geschichte des Bergverlages. Es wurde der Traum
eines 33 Jahre alten Bergsteigers und
Buchhändlers in die Tat umgesetzt, als Rudolf
Rother sen. am 16. November 1920 in München den
Grundstein für den wohl ältesten
deutschsprachigen – und heute noch existierenden
– alpinen Fachverlag legte.
Illustre Namen und ein großes
Verantwortungsgefühl für die grundlegenden
Voraussetzungen des Bergsteigens prägten von
Anfang an die Entwicklung des jungen Verlages,
der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, alle
Sparten des Alpinismus in Wort und Bild zu
dokumentieren. Franz Nieberls Buch »Das Klettern
im Fels«, das 1921 in 3. Auflage im Bergverlag
Rother erschien, repräsentiert beispielhaft den
Bereich der Lehrschriften, welche im
Verlagsprogramm bis heute ein elementares Thema
darstellen.
Der Verlag wuchs nach schwierigen Anfängen
sprunghaft an, und es gab wohl keinen großen
Alpinisten, der nicht in den 20er und 30er Jahren
als Mitarbeiter oder Autor am Werdegang des
Verlages beteiligt gewesen wäre. Klassiker wie
Eugen G. Lammers »Jungborn« von 1935, Julius
Kugys »Aus dem Leben eines Bergsteigers« oder
Guido Reys »Das Matterhorn« sind nur einige der
klangvollen Namen, die dem Ansehen des Verlages
europaweit Geltung verschafften.
Parallel zum Buchprogramm gab der Bergverlag die
wichtigsten Alpinzeitschriften (»Deutsche
Alpenzeitung«, »Der Winter«) jener Zeit heraus
und schuf damit für die Bergsteiger eine
publizistische Plattform, auf der die
drängendsten und interessantesten Themen
abgehandelt und dargestellt wurden.
Am folgenreichsten für die Verlagsentwicklung
war aber sicherlich die Entscheidung, namhafte
Autoren und bereits an anderer Stelle publizierte
Tourenbeschreibungen unter dem Dach des
Bergverlages zu versammeln und das Konzept einer
konsequenten Führerreihe zu entwickeln. Max
Zellers legendärer »Führer durch die
Berchtesgadener Alpen« erschien 1922 in der
Bearbeitung von Ernst Zettler im Bergverlag
Rother und hatte Vorbildfunktion für viele
nachfolgende Führergenerationen.
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II. Ende eines Traums
Der 2. Weltkrieg setzte dieser
Aufwärtsentwicklung ein jähes Ende. Nicht nur,
dass die über alle Grenzen hinweg bestehenden
Beziehungen der Bergsteiger untereinander
abbrachen und die Bergsteigerei weitgehend in den
Dienst des Militärs gestellt wurde, nein, für
den Verlag konnte es kaum schlimmer kommen, als
in den letzten Tagen des Krieges das 1925
errichtete Verlagsgebäude in der Landshuter
Allee bei einem Luftangriff zerstört und einer
der wertvollsten und umfangreichsten
Archivbestände der alpinen Literatur fast
gänzlich vernichtet wurde. Aber selbst unter
Kriegsbedingungen war das Interesse am
Bergsteigen nicht erloschen. Sepp Brunnhubers
1942 veröffentlichte Broschüre »Seilgebrauch
in Fels und Eis« zeigt, dass sich der Bergverlag
Rother auch in schwierigsten Zeiten für die
Belange der Bergsteiger einsetzte.
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III. Der zweite Anlauf
Mit viel Engagement, Mut und gemeinsamer
Schaffenskraft gelang es trotz mancher
Widerstände schon in der Nachkriegszeit, die
Verlagsarbeit wieder fortzuführen. Alte
Verbindungen wurden wieder gesucht und
aufgenommen, aber gleichzeitig zeichneten sich
auch neue Entwicklungslinien ab. 1951 erschien
nach eingehenden Beratungen zwischen dem
Bergverlag Rother und den Alpenvereinen der erste
Band einer zukunftsweisenden Führerreihe:
Heinrich Klier und der spätere Vorsitzende des
Deutschen Alpenvereins, Fritz März, verfassten
den ersten »Alpenvereinsführer« über das
Karwendel. Im Laufe der Jahre folgten unzählige
weitere Führer- und Kartenwerke zu allen
alpinistischen Betätigungsformen, und auch die
große Tradition der Bildbände und
Gebietsmonographien wurde fortgesetzt. Walter
Flaigs 1962 erstmals erschienener Bildband
»Bernina - Festsaal der Alpen« ist ein
eindrucksvolles Beispiel für diese bis in die
80er Jahre dominierende Buchgattung.
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IV. Fortschritt und Krise
Die Jahre des Wohlstands brachten viele neue
Spielarten und Formen des Alpinismus hervor,
veränderten aber auch das Freizeitverhalten der
Menschen und verschärften die
Wettbewerbsbedingungen auf dem Buchmarkt. Diesen
neuen Herausforderungen musste sich der Verlag,
der nach dem Tode des Firmengründers im Jahre
1969 von seinem Sohn, Rudolf Rother jun.,
weitergeführt wurde, stellen.
Die Ende der 60er und in den 70er Jahren
beginnende Technisierung des Bergsteigens und die
sich abzeichnende Entwicklung des Alpinismus zum
Breitensport brachten für den Bergverlag die
Notwendigkeit mit sich, sein Programm diesen
Erfordernissen anzupassen.
Pit Schuberts Lehrschriften und umfangreiche
Lehrbücher wie Dieter Seiberts »Klettern in
Fels und Eis« widmeten sich eingehend dem Thema
Sicherheit am Berg und setzten neue Maßstäbe in
der Vermittlung lebensnotwendigen Grundwissens.
1985 wurde mit dem Wanderführer »Rund um die
Zugspitze« der Grundstein für die inzwischen
zum Markenzeichen gewordene »rote«
Wanderführer-Reihe gelegt, die den spezifischen
Bedürfnissen des Bergwanderers Rechnung trägt.
Gegenpol dazu, und repräsentativ für die
Entwicklung des Kletterns, ist der Titel »High
Life - Sportklettern weltweit« von Heinz Zak und
Wolfgang Güllich. Mit diesem großformatigen
Bildband wurde 1987 erstmals in umfassender Weise
der Stand des Sportkletterns dokumentiert.
Trotz dieser richtungsweisenden Ansätze erfuhr
die Verlagsgeschichte nur wenige Jahre später
eine einschneidende Zäsur. Nachdem bereits ab
Mitte der 80er Jahre die verlagseigene
Versandbuchhandlung, die Zeitschrift »Bergwelt«
sowie die hauseigene Druckerei verkauft worden
waren, endete mit dem Verkauf des Verlages im
Jahre 1990 die Ära des Bergverlages Rother als
Familienunternehmen. Im Oktober 1994 schließlich
verließ der Bergverlag Rother das
traditionsreiche Verlagsgebäude an der Münchner
Landshuter Allee und übersiedelte nach
München-Ottobrunn.
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V. Die neue Generation
Der neue Eigentümer, das traditionsreiche
österreichische Kartographieunternehmen Freytag-Berndt &
Artaria,
ermöglichte es der neuen Verlagsleitung, mit
einem jungen, engagierten Verlagsteam notwendige
strukturelle und programmatische Veränderungen
durchzuführen, und damit nicht nur den Anschluss
an die allgemeine Entwicklung zu wahren, sondern
weiter initiativ und schöpferisch die
Entwicklung des alpinen Buchmarktes
mitzugestalten.
Neue Vertriebspartner, neue Autoren und die
konsequente Umstellung auf computergestützte
Lektorats- und Herstellungsarbeit führten in den
90er Jahren zu einer umfangreichen
Modernisierung, Weiterentwicklung und
Internationalisierung des Verlagsprogrammes mit
neuen Themenschwerpunkten.
In der Reihe »Rother
Selection«
werden spezielle Themen (Klettersteigatlas,
Kletter- und Trekkingführer u.v.a.) in einer
besonders attraktiven Gestaltung behandelt und
dargestellt.
Bei Bildbänden und Bergbüchern
konzentriert sich der Verlag auf die Darstellung
bergsteigerisch interessanter Persönlichkeiten
bzw. wichtiger Meilensteine in der Entwicklung
des Alpinismus. Es ist nicht beabsichtigt, die
Natur ein weiteres Mal bildschön, aber
trügerisch abzubilden, sondern die Spannung
zwischen Mensch, Berg und Abenteuer soll zur
Sprache gebracht werden. Dass dies auf sehr
verschiedene Art und Weise geschehen kann,
verdeutlichen Titel wie »Rock Stars - Die weltbesten
Freeclimber>«
von Heinz Zak, ein wohl einmaliges Zeitzeugnis
zum Phänomen Freiklettern; »Wanda Rutkiewicz - Karawane der
Träume«,
ein Buch von Gertrude Reinisch über die zu jener Zeit
erfolgreichste Höhenbergsteigerin der Welt, das
uns gleichzeitig auch Einblick in die Entwicklung
des Frauenalpinismus gewährt; die alpinen und
außeralpinen Erfahrungen des Extrembergsteigers
Malte Roeper, dessen gesammelte Reiseberichte »Auf Abwegen - Vom Bergsteigen und
anderen Zwischenfällen« einen Lesegenuss ganz besonderer
Art vermitteln; und schließlich Hermann Magerers
»Bergauf - Bergab«. Ein besonderer
Glücksfall für den Verlag war die im Dezember
1997 von den vier Star-Fotografen Peter Mathis,
Bernd Ritschel, Jürgen Winkler und Heinz Zak
gegründete »
edition BERGE im Bergverlag Rother«. In
dieser Reihe wurden herausragende, großzügig
ausgestattete Bildbände und der edition BERGE-Kalender herausgegeben.
Die inzwischen auf über 250 Bände angewachsene
»rote« Wanderführer-Reihe ist längst nicht mehr auf
die klassischen Alpengebiete beschränkt, sondern
bietet von den deutschen Mittelgebirgen bis zu
Seen- und Inselgebieten (z.B. Kreta, Korsika,
Sardinien, La Palma, Teneriffa, Madeira, Island)
europaweit viele weitere touristisch interessante
Wanderziele an. Auch außereuropäische Titel wie
Hawaii, La Réunion und Neuseeland finden sich im Programm.
Etliche Titel sind mittlerweile in mehrere
Sprachen übersetzt worden. Im März 2007 wurden die Rother Wanderführer mit dem
ITB BuchAward für die beste Wanderführer-Reihe ausgezeichnet.
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Das erfolgreiche Konzept ist 1994 um eine »gelbe« Radführer-Reihe und eine
»blaue« Skitourenführer-Reihe erweitert worden,
die seither kontinuierlich ausgebaut wurde und mittlerweile weite Teile der Alpen abdeckt.
Das Titelbild des 1994 überarbeiteten
Alpenvereinsführers »Berchtesgadener Alpen« verdeutlicht, daß die
Entwicklung des Bergsports Dimensionen angenommen
hat, die eine Überarbeitung der Alpenvereinsführer-Reihe erforderlich machten. Ein
kompletter einbändiger Führer über ein
bestimmtes Gebiet ist teilweise nicht mehr mit
den unterschiedlichen Ansprüchen der Benutzer zu
vereinbaren, zu unterschiedlich sind die
Erwartungen der Bergwanderer und Kletterer
geworden. Um den Vollständigkeitscharakter für
die Alpenvereinsführer zu erhalten, hat der
Bergverlag die Voraussetzungen dafür geschaffen,
alpinistische Informationen in einer Datenbank
für zukünftige Informationssysteme zur
Verfügung zu halten. 1996 wurde daher damit
begonnen, die Bände zu unterteilen: der
»Alpenvereinsführer alpin« wendet sich an den
gemäßigten Bergwanderer und Bergsteiger und der
»Alpenvereinsführer extrem« an den Kletterer.
Die 1994 erschienene »TourenDisk«, ein
Computer-Programm zur Planung und Archivierung
eigener Unternehmungen, war der Auftakt für eine
völlig neue Form der Verlagsarbeit. Im Laufe der
Jahre sind zahlreiche TourenDisks zu verschiedensten Themen
und Gebieten erschienen, die den Bergfreund in
die Lage versetzen, auf eine umfangreiche
digitale Touren-Bibliothek zurückzugreifen.
Im Jahr 2000 erschienen die ersten Titel der Wanderbuch-Reihe. Sie behandelt in
zeitgemäßer, grafisch aufwendiger Form
ausgewählte Wander- und Urlaubsregionen der
Alpen.
Jüngster Spross des Bergverlag Rother ist die bike
guide-Reihe,
die im Jahr 2003 mit La Palma startete.
Mit einem unternehmungsfreudigen und kompetenten
Partner werden auch die Träume der zukünftigen
Bergsteigergeneration in die Tat umgesetzt werden
können. |
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